Mente Canina — Interview Anny Malo & Marco Rivest
No. 01 · 2025
Das Magazin für Hundegeist & Hundeseele
No. 01 · 2025Schwerpunkt: Ernährung
Titelinterview — Fütterung im Schlittenhundesport

«30 Jahre Schlittenhundsport — Anny & Marco über das, was wirklich zählt»

30 Jahre Trail, ein überstandener Krebs und vierzig Hunde, die alles geben: Anny Malo und Marco Rivest gehören zur Weltspitze des Schlittenhundesports. Erstmals teilen sie ihre komplette Fütterungsphilosophie — vom Renntag bis zum Familienhund.

Anny Malo
Teil 1 – Biografie & Hintergrund
Anny am Start des Pedigree Stage Stop, Wyoming 2022 — eines der prestigeträchtigsten Etappenrennen der Welt.
Anny am Start des Pedigree Stage Stop, Wyoming 2022 — eines der prestigeträchtigsten Etappenrennen der Welt.
Anny, du bist Biologin – wie beeinflusst dieser Hintergrund deine Arbeit mit den Hunden?
Sehr stark. Für mich gehören das Biologin-Sein und das Leben als Musher untrennbar zusammen. Meine Leidenschaft für die Biologie entstand aus einer natürlichen Neugier auf das Leben und die Welt um mich herum – jener Neugier, die einen antreibt, zu beobachten, zu fragen und Neues zu entdecken. Schon als Kind saß ich stundenlang draußen und versank völlig darin, Tiere in ihrem Lebensraum zu beobachten. Dieses Staunen hat in mir den Wunsch geweckt, Biologin zu werden.
Biologin und Musher zu sein passt zusammen, weil beides dasselbe verlangt: tiefe Achtung vor der Natur, Widerstandskraft im Freien und einen Entdeckergeist. Als Wissenschaftlerin beobachte ich ununterbrochen, lerne dazu und verknüpfe Wissen aus verschiedenen Bereichen – Fähigkeiten, die mir mit einem Hundeteam in der Wildnis genauso dienen. Die meisten Biologen lieben die Natur, ich auch, und das Mushing lässt mich diese Leidenschaft voll ausleben. Die abenteuerlustige, neugierige Haltung, die mich zur Biologie gebracht hat, passt perfekt zum Alltag als Musher: Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, neue Entdeckungen und neue Wege, die Verbindung zur Natur und zu meinen Hunden zu vertiefen.
Wie seid ihr beide zum Mushing gekommen, welche Rolle spielten eure Kinder, und wie hat sich eure Karriere im Lauf der Jahre entwickelt?
Marco kam mit zehn Jahren zum Mushing – er kümmerte sich um die Hunde seines Onkels, der ein Tourismusunternehmen führte. Schon mit elf fuhr er Mittelstreckenrennen in Québec, 50 bis 60 km, und hatte bald die ersten Trophäen und Medaillen. Damals besaß er bereits einen Kennel mit rund sechzig Hunden, und seine ganze Familie hatte eigene Teams.
Ich kam spät dazu, mit 25. Marco hat mich in den Sport eingeführt – wir scherzen bis heute, dass er seine vierbeinigen Freunde als Lockmittel benutzt hat, um mich zu umwerben. Jeden Abend nach der Arbeit nahm er mich auf seinem Schlitten mit, und wir fuhren kilometerweit.
Mein erstes 50-km-Rennen fuhr ich 1996 – da begann das Abenteuer richtig.
Im Jahr darauf überlegten wir, nach Alaska zu gehen, um als Handler bei einem Musher zu arbeiten und den Sport dort kennenzulernen, wo er Nationalsport ist. 1998 war es so weit: Wir hatten Joee Redington kontaktiert, einen Spezialisten für die längsten Sprintdistanzen, und reisten zu ihm.
Es wurde die Erfahrung unseres Lebens – acht Monate, in denen wir alles über Blutlinien, Training, Ausrüstung und Trails lernten. Das reinste Paradies.
Zurück in Québec fuhren wir mehrere Rennen auf dem Provinzzirkuit. Doch die Distanzen wurden immer kürzer, und wir sehnten uns nach größeren Aufgaben. 2002 kehrten wir nach Alaska zurück, um beim ONAC zu starten. Marco fuhr mit jungen Hunden, die später das Fundament unserer Blutlinie bilden sollten. Unser erster Sohn Tristan war damals neun Monate alt. Marco und ich waren uns einig: Solange die Kinder zu Hause leben, soll das ein Familienabenteuer sein. Auf dem Weg legten wir Stopps auf dem westkanadischen Rennzirkuit ein – diese 60-km-Rennen über drei Tage mit Massenstart liebten wir. Immer wieder kehrten wir mit unserer kleinen Familie zurück, die inzwischen um Elliot, unseren zweiten Sohn, gewachsen war. Bei diesen Rennen lernten wir am meisten über die Eigenschaften, die wir bei unseren Athleten suchen: lange Distanzen, oft klirrende Kälte und vor allem hohes Tempo. Unser Zuchtprogramm begann sich auf genau diese Merkmale zu konzentrieren. Wir fuhren dort bis 2010.
In diesem Jahr erfuhr ich, dass ich Brustkrebs hatte. Mein Leben stand für zwei Jahre still. Wir verkleinerten den Kennel und fuhren unsere Aktivitäten zurück, um uns um uns selbst zu kümmern.
Während meiner Remission 2012 gönnten wir uns eine Reise mit den Hunden zum berühmten Pedigree Stage Stop in Wyoming. Marco fuhr das Team, ich genoss mit den Kindern die Landschaft.
Nach dieser schweren Zeit überließ Marco mir das Wettkampfteam. Er habe es lange genug gemacht, sagte er, jetzt sei ich an der Reihe. Seither folgte Winter für Winter eine Reise nach Westkanada und in die USA – mit der Familie, den Hunden und unserem Trailer.
Es ist immer Teamarbeit, wir machen alles gemeinsam. Und auch wenn die Kinder längst erwachsen sind – vom Kennel sind sie nie weit weg.
Heute fahren wir den ganzen Winter über mit unseren vierzig Hunden auf dem Mittelstreckenzirkuit und bei Etappenrennen.
Teil 2 – Alltag mit den Hunden
Alltag im Kennel Malo-Rivest: das Rudel, die Athleten in voller Aktion und das Team Anny & Marco.
Alltag im Kennel Malo-Rivest: das Rudel, die Athleten in voller Aktion und das Team Anny & Marco.
Wie sieht ein normaler Tag in eurem Kennel aus?
Der Tag beginnt mit dem morgendlichen Reinigen, danach wird getränkt. Trainiert wird je nach Jahreszeit unterschiedlich: im Winter mit dem Schlitten, sonst mit dem Quad, sofern die Temperatur unter 12 °C liegt. Dazwischen liegt Spielzeit im Hof mit Welpen und erwachsenen Hunden oder Spaziergänge an der Leine. Diese Aufgaben verteilen sich über den ganzen Tag. Zum Abschluss steht die Fütterung.
Wie viel Zeit verbringt ihr täglich mit Fütterung und Pflege?
Im Schnitt rund 3 Stunden pro Tag, wenn nicht gespannt wird. An Trainings- und Renntagen sind es eher 5.
Wie koordiniert ihr Training, Fütterung und Erholungsphasen?
Bei passender Temperatur spannen wir das ganze Jahr über, ab Mitte August dann konsequent jeden zweiten Tag. So kann sich jeder Hund nach der Einheit erholen. Gefüttert wird morgens vor dem Training, direkt danach gibt es eine leichte Suppe. Die Hauptmahlzeit folgt am Abend.
Teil 3 – Fütterungsprinzipien
Was sind eure grundsätzlichen Fütterungsprinzipien? Füttert ihr rohes Fleisch, Trockenfutter oder eine Kombination?
Unser Grundprinzip: Jeder Hund bekommt eine vollständige Mahlzeit aus hochwertigem kommerziellem Trockenfutter (Protein/Fett 32/20). Dazu kommt rund ein halbes Kilogramm recht mageres Rindfleisch, aufgetaut und mit Wasser unter das Trockenfutter gemischt. In der Trainingsphase füttern wir mindestens dreimal täglich: morgens eine leichte Suppe, nach dem Training eine gehaltvollere und am Abend die kräftigste.
Wie passt ihr die Ernährung für Junghunde, aktive Hunde und Rentnerhunde an?
Der Unterschied liegt vor allem in der Menge – gefüttert wird bei allen dasselbe. Welpen und Mutterhunde bekommen ihre Ration zweimal täglich.
Wie geht ihr mit wählerischen Fressern um?
Wir füttern dann kleinere Mengen, dafür häufiger. Das ist aber selten das eigentliche Problem – schwieriger ist es, sie zum Trinken zu bringen. Im Truck besteht die größte Herausforderung fast immer darin, dass sie genug Wasser aufnehmen, nicht Futter. Manchmal mischen wir etwas Weiches wie Nassfutter unter, um das Wasser attraktiver zu machen.
Teil 4 – Fütterung im Training und im Rennen
Das Team in voller Fahrt — Kraft und Ausdauer auf jedem Kilometer.
Das Team in voller Fahrt — Kraft und Ausdauer auf jedem Kilometer.
Wie füttert ihr während der Trainingsphasen?
Morgens gibt es Suppe mit Rindfleisch und Trockenfutter. Nach dem Training dieselbe Suppe, ergänzt um Glycocharge zur Regeneration. Zur Hauptmahlzeit kommen zu Trockenfutter und Rindfleisch Omega-3-Öl und Hokamix dazu. Bei längeren Einheiten zusätzlich Impact.
Welche Änderungen nehmt ihr vor einem Rennen an der Fütterung vor?
In der Rennsaison ergänzen wir die Hauptmahlzeit um Probiotika und Flohsamenschalen (Psyllium) – das ist die einzige Rezeptänderung. Die Mengen richten sich nach Rennart und Temperatur.
Wie füttert ihr während eines Etappenrennens wie dem Stage Stop?
Für uns ist Beständigkeit entscheidend. Eine feste Fütterungsroutine durch Training und Rennsaison hindurch ist die Grundlage dafür, dass die Hunde gesund bleiben.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Fütterung während Rennen?
Den Zeitplan trotz der vielen Reisen einzuhalten. Und ebenso wichtig: die Hunde gut hydriert zu halten.
Welche Tricks haben sich bewährt, um die Hunde unter Stress zum Fressen zu bringen?
Routine ist der Schlüssel. Die Hunde lernen, jeden Tag zur selben Zeit in ihrer Box zu fressen – das nimmt den Stress, den äußere Einflüsse sonst auslösen. Wir gewöhnen sie von klein auf daran: Das Training beginnt schon im Trailer, wenn wir nach Norden fahren. Durch diesen frühen Start kennen sie Ablauf und Umgebung und passen sich später mühelos an Training und Reisen an.
Teil 5 – Supplemente und Trends
Verwendet ihr Supplemente – und wenn ja, welche?
Glycocharge, Impact, Hokamix, Omega-3-Öl, Probiotika und Psyllium (Flohsamenschalen).
Wann genau supplementiert ihr?
Glycocharge kommt in die Suppe, die wir innerhalb von 30 Minuten nach der Belastung geben. Alles Übrige wird der Hauptmahlzeit am Abend beigemischt.
Wo seht ihr die Grenze zwischen sinnvoller und übertriebener Supplementierung?
Über die Jahre haben wir sehr viele Supplemente ausprobiert und genau beobachtet, was sie bewirken. Geblieben sind nur jene, bei denen wir eine klare Verbesserung im Wohlbefinden der Hunde gesehen haben. Die Grundlage bleibt für uns immer die Qualität von Trockenfutter und Fleisch. Kein Supplement gleicht eine schlechte Basisernährung aus.
Was haltet ihr von Trends wie getreidefreiem Futter?
Wir beobachten, dass getreidefreies Trockenfutter leichter verdaulich ist – die Hunde nehmen dadurch mehr Nährstoffe auf. Zusätzlich können wir rohes Fleisch darübergeben, eine sehr gute natürliche Quelle für Protein und Fett.
Wie beurteilt ihr die Flut an Pulvern und Zusätzen auf dem Markt?
Wie gesagt – wir haben im Lauf unserer Karriere vieles getestet und bleiben heute bei dem, was sich bewährt hat. Neue Studien und Produkte verfolgen wir, aber wir nehmen uns Zeit, sie zu prüfen.
Teil 6 – Gesundheit & Prävention
Frontal und unaufhaltsam — gesunde Hunde durch konsequente Ernährung.
Frontal und unaufhaltsam — gesunde Hunde durch konsequente Ernährung.
Welche Rolle spielt die Fütterung für die langfristige Gesundheit der Hunde?
ALLES!!!! Man muss verstehen: Billiges Trockenfutter oder kleinere Rationen sehen kurzfristig nach Ersparnis aus. Tatsächlich rächt sich das – Gesundheit und Leistung leiden. Eine unzureichende Ernährung lässt das Wohlbefinden sinken, kann die Lebenszeit verkürzen und mindert die Lebensqualität. Und sie schlägt direkt auf die sportliche Leistung durch.
„Wir sind, was wir essen." Ernährung ist für uns nicht ein Faktor unter vielen – sie ist die Grundlage von allem.
Wie wichtig ist sie für Gelenke, Fell und Immunsystem?
Wieder: ALLES!!! Wir sind, was wir essen – das gilt für Gelenke, Fell und Immunsystem genauso wie für die Leistung.
Wie füttert ihr nach einer harten Trainingseinheit oder nach einem Rennen?
Der Unterschied liegt in der Menge – und in sehr viel Wasser. An einem Renntag trinkt ein Hund 4,5 bis 5 Liter.
Teil 7 – Organisation & Logistik
Wie organisiert ihr die Fütterung auf langen Reisen oder bei internationalen Rennen?
In der Rennsaison sind wir über drei Monate von zu Hause weg, mit den Hunden. Damit die Fütterung gleich bleibt, nehmen wir alles mit: 1350 kg Rindfleisch, 900 kg Trockenfutter und reichlich Glycocharge, Impact, Psyllium, Hokamix und Probiotika. Über die Jahre hat sich eine Methode als am effizientesten erwiesen: Wir messen jede Zutat direkt in die einzelne Schüssel ab und mischen sie dort. Für die Hauptmahlzeit tauen wir das Fleisch täglich auf und vermengen es mit Trockenfutter und den nötigen Supplementen, dazu ein 1/3 bis 1/2 Liter warmes Wasser. Für die Morgensuppe taut das Fleisch über Nacht in einer großen Kühlbox (10 Liter) in heißem Wasser auf. Am Morgen kommen Trockenfutter und – je nachdem, ob vor oder nach der Belastung gefüttert wird – Impact oder Glycocharge dazu.
Wie stellt ihr Hygiene beim Umgang mit Fleisch und Brühen sicher?
Täglich reinigen mit warmem Wasser, gelegentlich mit Bleichmittel.
Wie hoch sind die Kosten für die Fütterung eines Teams?
Ehrlich gesagt rechnen wir das für ein einzelnes Team gar nicht aus – wir füttern den ganzen Kennel nahezu gleich. Vielleicht wollen wir den Preis auch lieber nicht so genau wissen, haha!
Arbeitet ihr mit Sponsoren oder Partnern bei der Fütterung zusammen?
Nein. Wir bleiben lieber frei in der Wahl unserer Nährstoffquellen.
Teil 8 – Rennstrategie
Unterwegs auf dem Rennzirkuit — Nordlichter über dem Truck nach einem langen Renntag.
Unterwegs auf dem Rennzirkuit — Nordlichter über dem Truck nach einem langen Renntag.
Wie wichtig ist Ernährung für eure Rennstrategie?
Die Fütterung muss genau auf die Rennart, die Bedingungen und das Wunschgewicht jedes Hundes vor dem Start abgestimmt sein. Oberstes Ziel ist, jeden Hund gesund und in optimaler Verfassung zu halten. Wer die Ernährung im Griff hat, bringt jeden Hund auf sein Idealgewicht und hält ihn dort – die Voraussetzung für die beste Leistung im Rennen.
Passt ihr die Ernährung je nach Etappenart an?
Ja. Bei der Planung zählen Umwelt und Strecke. Kälte plus lange Distanz plus hügeliges Gelände heißt: mehr Futter. Solche Bedingungen kosten viel Energie, also muss die Ration den höheren Kalorienbedarf decken. Umgekehrt verbrauchen die Hunde bei Wärme, kurzen Distanzen oder flachen Strecken weniger – dann reduzieren wir die Menge und legen den Schwerpunkt auf die Hydrierung.
Wie erkennt ihr, wenn ein Hund nicht genug Energie bekommt?
Weil wir in der Rennsaison sehr eng mit den Hunden zusammenleben, beobachten wir sie ununterbrochen. So erkennen wir genau, wann jeder sein Idealgewicht hat. Selbst kleinste Veränderungen fallen sofort auf, und wir passen die Ernährung umgehend an. Die Kontrolle über das Gewicht darf man nie verlieren: Ein deutlicher Verlust zieht das Energieniveau nach unten. Ist ein Hund erst im Energiedefizit, dauert es viele Tage, ihn wieder in Topform zu bringen. Deshalb überwachen wir die Verfassung jedes Hundes genau und steuern sofort gegen, bevor Leistung oder Gesundheit leiden.
Welche Erfahrungen haben eure Fütterungsstrategie am stärksten geprägt?
Am meisten geprägt haben uns die Reisen. Unterwegs stehen Hunde wie Menschen unter mehr Stress – das verlangt besondere Aufmerksamkeit und Flexibilität bei der Fütterung. Dazu kommen die verschiedenen Rennformate: Jedes bringt eigene Anforderungen mit und hat uns gezwungen, immer präziser zu füttern. Ausdauer über lange Distanzen, Tempo auf flachen Strecken, wechselndes Wetter – all das hat uns gelehrt, die Ernährung immer genau an die Bedürfnisse der Hunde anzupassen.
Teil 9 – Mentale & emotionale Ebene
Anny & Marco — 30 Jahre gemeinsam, als Paar und als Team.
Anny & Marco — 30 Jahre gemeinsam, als Paar und als Team.
Welche Rolle spielt Fütterung für das Vertrauen zwischen euch und den Hunden?
Die Fütterung ist ein zentrales, tägliches Element – ein roter Faden in unserer Beziehung zu den Hunden. Sie ist mit allem verbunden: Erziehung, Training, Pflege. Jede Mahlzeit ist mehr als Routine. Sie stärkt das Vertrauen, sichert das Wohlbefinden und unterstützt die Entwicklung des Hundes in jeder Hinsicht.
„Jede Mahlzeit ist mehr als Routine – sie ist ein Moment, der Vertrauen stärkt."
Seht ihr einen Zusammenhang zwischen Fütterung und Verhalten?
Unbedingt. Wie ein Hund frisst, verrät viel über seinen Zustand. An den Fressgewohnheiten erkennt man Müdigkeit, Verletzungen, Stress oder Angst. So wird die Fütterung zu einem wichtigen Moment, um Verhalten und Allgemeinzustand zu beobachten – und Veränderungen früh zu bemerken und darauf zu reagieren.
Wie beeinflusst die Einbindung eurer Familie die Hunde?
Unsere Kinder sind im Kennel aufgewachsen, sie waren immer Teil des Alltags mit den Hunden. Auch wenn sie heute eigene Wege gehen, kommen sie regelmäßig zurück und helfen mit – beim Reinigen, Füttern, Training, manchmal sogar im Rennen. Diese gemeinsame Leidenschaft stärkt unseren Familienzusammenhalt und schafft ein gutes Klima für alle. Gerade die Hunde profitieren von der ständigen Nähe und Zuwendung unserer Kinder: Das fördert Vertrautheit, Vertrauen und Motivation im Kennel.
Ist die Fütterung auch ein Moment der Freude und Motivation für die Hunde?
Wie gesagt, die Fütterung hat für uns und die Hunde eine besondere Bedeutung. Jede Mahlzeit ist nicht nur Routine, sondern ein geschätzter Moment, der unsere Verbindung festigt. Sie bietet Gelegenheit zu positivem Kontakt und stärkt das gegenseitige Vertrauen. In diesen Momenten sehen wir die Freude und Motivation der Hunde – sie sind aufgeregt, und wir wissen: Sie sind glücklich!
Teil 10 – Übertragung auf Familienhunde
Was können normale Hundebesitzer aus euren Fütterungspraktiken lernen?
Auf Qualität setzen: Das Futter sollte aus einer verlässlichen Nährstoffquelle stammen. Hochwertige Zutaten tragen Gesundheit, Wohlbefinden und Energie.
Eine feste Routine halten: Regelmäßige Fütterungszeiten geben Sicherheit und Zufriedenheit. Vorhersehbare Abläufe schaffen Vertrauen.
Die Menge ans Aktivitätsniveau anpassen: Die Ration muss zum Bewegungspensum des Hundes passen, damit Energie und Nährstoffe stimmen.
Welche Prinzipien gelten auch für Familienhunde?
Dieselben – und darüber hinaus dies: Die tägliche Fütterung ist nie bloß eine Pflicht. Jede Mahlzeit ist eine wertvolle Gelegenheit, den Hund zu beobachten. Wer dabei aufmerksam ist, bemerkt feine Veränderungen in Verhalten, Appetit und Gesundheit früh. Das stärkt das Wohlbefinden des Hundes und die Bindung zwischen Mensch und Tier.
Welche Fehler seht ihr häufig bei Hundebesitzern?
Billiges Trockenfutter – und zu große Mengen.
Was haltet ihr vom Grasfressen – Mangel oder normal?
In über 30 Jahren Hundehaltung habe ich beobachtet: Wenn Hunde sich frei bewegen dürfen, kauen sie oft Holz, fressen Gras, knabbern an Büschen, nehmen sogar Erde auf. Das ist verbreitet und deutet aus meiner Erfahrung nicht zwangsläufig auf einen Mangel hin.
Was haltet ihr von Online-Ernährungsberatern?
Ich lese nichts über Ernährung in den sozialen Medien.
Welchen Mythos in der Hundefütterung möchtet ihr entkräften?
Dass rohes Fleisch gefährlich oder schlecht für Hunde sei.
Was bedeutet für euch artgerechte Fütterung?
Für uns läuft die Debatte auf eine Frage hinaus: Karnivore oder Herbivore? Der Hund ist von Natur aus auf Fleisch ausgerichtet – das ist für uns der Ausgangspunkt jeder artgerechten Fütterung. Alles Weitere ergibt sich daraus.
Könnt ihr eure Fütterungsphilosophie in einem Satz zusammenfassen?
Fütterung ist eines der drei Grundbedürfnisse eines Hundes – sie verlangt hochwertiges Futter, die richtige Menge und eine feste Routine.
Zusätzliche Hinweise
Hygiene auf Reisen: Einen Hauptgrund, warum wir kein Huhn füttern, liefern die Hygieneprobleme auf Winterreisen. Durch wechselnde Klimazonen und Temperaturen verdirbt Huhn wegen seines höheren Fettgehalts schneller – Frische und Sicherheit sind schwerer zu gewährleisten.
Vorlieben bei Wärme: Wir haben außerdem festgestellt, dass unsere Hunde fettes Huhn bei warmem Wetter meiden. Ihre Zurückhaltung zeigt, dass es ihnen bei Hitze weniger bekommt.
Bei Stress, etwa nach Operationen, verdauen Hunde besser, wenn man kleine Portionen über den Tag verteilt.
Probiotika und Psyllium helfen bei Durchfall – und lassen sich auch vorbeugend einsetzen.
Omega-3: Neuere Forschung, die Omega-3 mit Glucosamin bei Arthrose vergleicht, zeigt Omega-3 als deutlich wirksamer (2022 Systematic Review and Meta-Analysis of Enriched Therapeutic Diets and Nutraceuticals in Canine and Feline Osteoarthritis, PMC).
Am Abend eines Rennens lassen wir die Hunde frei laufen und stellen ihnen klares Wasser bereit, damit sie ausreichend trinken.
Mit diesem Interview gewähren Anny Malo und Marco Rivest einen seltenen und wertvollen Einblick in die Welt des professionellen Mushings. Dass Athleten auf diesem Niveau ihre Fütterungs- und Trainingsmethoden so offen teilen, ist ungewöhnlich – ein Zeichen echter Größe und eines Teams, das nicht nur auf dem Trail Maßstäbe setzt, sondern auch als Vorbild. Ich danke Anny und Marco von Herzen für ihre Zeit, ihre Offenheit und ihre Leidenschaft, die in jeder Antwort spürbar ist. Für mich – und gewiss für viele andere – ist dieses Interview das Maß aller Dinge. — Tanino Chiavaro
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Der Rest dieses Interviews ist bald verfügbar

Mente Canina startet in Kürze offiziell. Mit dem Launch wird dieses Interview vollständig freigeschaltet.

Launch in Kürze

Interview geführt 2025 · Kennel Malo-Rivest · Québec, Kanada · mentecanina.ch